Das Geschäft mit der Angst

Das Geschäft mit der Angst ist ein Deal mit dem Konjunktiv. Populismus funktioniert am besten im Ungefähren. Hetze gegen Flüchtlinge, Angst vor dem Islam, Panik vor Anschlägen – all das findet seinen fruchtbaren Nährboden dann besonders gut, bevor diese Dinge auf die Wirklichkeit treffen.

Die Stimmungsmache gegen Flüchtlingsunterkünfte in der eigenen Nachbarschaft ist am lautesten, bevor die ersten Flüchtlinge einziehen und immer leiser, wenn die Anwohner merken, dass sich wenig ändert.

Die Angst vor dem Islam ist dort am geringsten, wo man ihn jeden Tag erleben kann und dort am größten, wo wenige Muslime leben.

Und die Angst vor dem Terror ist dann besonders groß, wenn er nur eine potenzielle Gefahr ist.
Vieles spricht dafür, dass Berlin jetzt einen solchen Anschlag erlebt hat und bei all der Trauer, Wut und Fassungslosigkeit, verbunden mit der Hoffnung, dass der oder die Täter schnell gefasst und bestraft werden, zeigt sich diese Stadt überaus besonnen.

Ruhig und dazu entschieden, dass dieses Ereignis nichts verändern wird. Nichts von der Offenheit der Stadt nehmen wird, nichts von seiner multinationalen Identität und nichts von seiner inneren Stärke, die Berlin über die Nachkriegsjahre aufgebaut hat.

Wir müssen zeigen, dass wir uns als Gesellschaft nicht spalten und nicht vor einen Karren spannen lassen. Je entschiedener wir uns diese Haltung bewahren, diesen Zusammenhalt demonstrieren und je lauter wir sagen, dass diese Gesellschaft nichts erschüttern kann, desto mehr laufen die, die wollen, dass wir Angst haben, mit ihrer Agenda ins Leere. Sowohl die Mörder, als auch die politischen Hetzer.

Denn diese Haltung ist Gift für all die Hetzer und Angstmacher, die jetzt mit ihren blau-weißen Parteibüchern schwenken und versuchen ihr menschenverachtendes, politisches Kapital zu schlagen.