ERINNERN FÜR DIE ZUKUNFT Der 27. Januar in Frankfurt (Oder)

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit, nach 51 Jahren wurde dieses Datum zum offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Offizielle Bezeichnung des Tages: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, seit 1996 gesetzlich verankerter Gedenktag, bis dahin von vielen als Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee begangenen. Der 27. Januar wurde dann 2005 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: „Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.“ 1

Auch in Frankfurt (Oder) finden dazu seit vielen Jahren Veranstaltungen statt, auch schon vor 1996. Dieser Beitrag, soll einen kurzen Überblick geben, was in den letzten 10 Jahren stattfand.

Im Jahre 2001 veranstaltete der Bund der Antifaschisten (BdA) einen Gedenkspaziergang mit über 2000 Teilnehmer*innen. Die Presse nannte diese Kundgebung die größte seit der Wende 1989. Eine geplante Nazikundgebung wurde verboten. Ein Jahr später führte der BdA eine Veranstaltung zur Entstehung des NS in Frankfurt (Oder) mit Hans-Georg Schneider durch.

Im Laufe des Jahres 2002 kam es zu Gesprächen zwischen der Stadt, dem BdA und weiteren Initiativen gegen Rechts, u.a. der ev. Kirche, der Plattform gegen Rechts und der jüdischen Gemeinde, und so begehen die Akteure seit 2003 gemeinsam den Gedenktag. Die daraus entstandene Arbeitsgemeinschaft heißt heute „AG Erinnern und Gedenken“ und wird vom jeweiligen Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung geleitet, derzeit vom Genossen Wolfgang Neumann. Die AG befasst sich mit der Gestaltung der Gedenktage zum 27.1. und 9.11., dem Gedenktag zur Reichspogromnacht.

Im Jahre 2004 zeigte das Theater in der Senke mit Peter Weiss das Stück „Die Ermittlung“ und der BdA eröffnete an diesem Tag eine Ausstellung über die Rote Kapelle in den Räumen der Europa-Universität. Nach dem Erfolg des Theaterstücks, versucht die AG im Wechsel ein Theaterstück und eine Buchlesung für den 27.1. zu organisieren. Am 27.01.2005 wurde der Antifaschistische Widerstandskämpfer Peter Gingold unter Protesten der Frankfurter CDU für ein Zeitzeugengespräch gewonnen, zu welchem mehr als 150 Menschen kamen. Im Jahre 2007 sah man sich am 27.1. mit einem Neonaziaufmarsch konfrontiert, doch zur Protestkundgebung gegen den Naziaufmarsch in Frankfurt (Oder) kamen über 500 Menschen. Im Stadtverordnetensitzungssaal fanden sich über hundert Teilnehmer*innen ein, die Stolperstein-Initiative zeigte ein Theaterstück zum Wirken von Max Hannemann.

In den Jahren 2008-2015 organisierte die AG verschiedene Lesungen und Theaterstücke mit Autor*innen und Künstler*innen, genannt seien hier die Lesung zur Zwangsarbeit in Frankfurt (Oder) mit Gerhard Hoffmann und die Theaterstücke ‘Schika’ und ‘Biografien’, welches am 27.1.15 uraufgeführt wurde; beides Theaterproduktionen des Theaters Frankfurt. Am 27.1. 2016 wird es um 18:00 im Kleistforum eine Lesung mit Jan Rosenbaum aus seinem Buch „Ausgerechnet bei diesem Wetter“ geben.

1 http://www.bundesregierung.de/nn_1514/Content/DE/Bulletin/2008/01/10-1-btpr-gedenkstunde.html

 

Zu erst erschienen im Roten Hahn 01.2016